Berufe, die kaum Zukunft haben

06.12.18

Arbeit im Wandel

Die Arbeitswelt steht vor einem tiefgreifenden Wandel, der ähnlich massiv ausfallen wird wie bei der industriellen Revolution. Manche Berufsbilder, von denen wir es kaum erwartet hätten, werden entweder ganz von der Bildfläche verschwinden oder sich zumindest stark verändern.

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Koch, Pilot und sieben weitere Berufe, die kaum Zukunft haben

Koch

Glauben Sie, dass Gummibärchen oder Schokolade großer Hersteller in Handarbeit entstehen und verpackt werden? Natürlich nicht. Und warum sollte Ihr Mittagessen oder Dinner im Restaurant dann künftig nicht auf ähnliche Weise entstehen? Die Tätigkeit des klassischen Kochs kann künftig technologisch gelöst werden, da die Portionierung von Zutaten nach Vorgabe und der Produktionsprozess (Kochen, Garen etc.) von Maschinen ohnehin effizienter bewerkstelligt werden kann. Die Systemgastronomie mit fixen Prozessen und entsprechender Warenwirtschaft wird die erste Teilbranche der Gastronomie sein, wo „Chefkoch Computer“ Einzug hält. Er muss ja nicht gleich einen Michelin-Stern erkochen.

Paket-Zusteller

Die Logistik-Branche boomt wie selten zuvor, auch dank Versandhändlern wie Amazon, Zalando & Co. Doch während aktuell noch Paketfahrer den Warenverkehr regeln, wird sich das Bild mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bereits in den nächsten Jahren massiv ändern. Bereits 2016 hat Amazon in Großbritannien erste kommerzielle Lieferungen an Kunden per Roboter oder Drohne im Testbetrieb vorgenommen. Aktuell gehe ich davon aus, dass bis 2035 bereits 20 Prozent aller Pakete in Deutschland per Luftzustellung umgeschlagen werden.

Kassierer

An der Supermarktkasse anstehen und der freundlichen Kassiererin beim Einscannen der Waren zusehen – das wird in nicht allzu ferner Zukunft der Vergangenheit angehören. Schon heute gehören sogenannte SB-Kassen zum gewohnten Bild in bestimmten Einzelhandelsbranchen. Bislang ist menschlicher Support aber meist noch gang und gäbe. Die Zukunft des Shoppens im stationären Handel sieht anders aus: Über RFID-Chips werden die Produkte im Warenkorb automatisch aufsummiert und der Austritt aus dem Laden an die Bezahlung der Produkte über moderne Payment-Systeme gekoppelt. Kassierer – Fehlanzeige.

Textjournalisten

Nachrichten nach Relevanz auswählen, Meldungen schreiben – wenn wir heute Zeitungen oder Newsportale lesen, haben in der Regel Redakteure die Textmeldungen verfasst. Aber bereits heute werden automatisch verfasste Newsmeldungen, sogenannte Roboterstorys, in Umlauf gebracht. Diese Meldungen werden von Software verfasst, die vorher mit Statistiken gefüttert wurde, und auf dieser Basis faktenbasierte Geschichten texten. Der Unterschied zu manuell verfassten Meldungen – nicht erkennbar. Meinungsbeiträge und Kommentare sind auf diese Weise aber noch nicht in den Händen der Maschine.

Lkw-Fahrer

Im Bereich Verkehr- und Logistik ist die Industrie 4.0 heute schon viel stärker Realität, als man denkt. Beim Berufsbild „Lkw-Fahrer“ kann man davon ausgehen, dass Kraftfahrer in den nächsten zwei bis maximal drei Jahrzehnten komplett von unseren Straßen verschwinden werden. Nicht nur, dass Computer bereits heute sicherer fahren können als der Mensch – so reichten z.B. 15 Meter Sicherheitsabstand bei Lkw-Kolonnen auf der Autobahn aus, da Rechner im Gegensatz zum Menschen sofort und ohne Reaktionsverlust bremsen können – sie sind auch effizienter, da einschränkende Faktoren wie maximale Lenkzeiten wegfallen. Aktuell werden bereits entsprechende Systeme auf deutschen Autobahnen getestet.

Verkehrspilot

Würden Sie in ein Flugzeug steigen, in dem kein Pilot im Cockpit sitzt? Nein? Dann dürften Sie in Städten wie Singapur oder Nürnberg auch nicht U-Bahn fahren. Denn dort sind bereits seit Jahren fahrerlose U-Bahn-Züge im Einsatz. Tatsächlich wird längst am pilotenlosen Verkehrsflugzeug gearbeitet – und überhaupt fliegt Sie bereits heute die längste Zeit des Fluges der Autopilot an Ihren Ferienort. Landungen unter schwierigen Bedingungen z.B. dürfen schon heute nicht mehr die „echten“ Piloten übernehmen, sondern sie müssen die Maschine ran lassen. Die Steuerung wird dann über zentrale Flugleitzentralen am Boden erfolgen. Wenn es überhaupt Hürden gibt, dann die Sicherung gegen Hackerangriffe. Ansonsten wird der Pilot mit großer Wahrscheinlichkeit bereits in den nächsten Jahrzehnten ersetzt.

Chirurg

Würden Sie ihre Operation lieber von einem erfahrenen Chirurgen oder von einer Maschine durchführen lassen? In der Praxis übernehmen Robotersysteme (z.B. von Kuka) heute bereits einen Großteil der Bereiche, die Präzision verlangen. Gerade komplexe Eingriffe wie Operationen am Herzen erfordern über Stunden Konzentration und Feinmotorik im kleinsten Mikro-Bereich, die sich nur über maschinelle Unterstützung realisieren lassen. Der Bereich der von Robotern übernommenen Prozesse wird sich mit fortschreitender Forschung und neuen technischen Möglichkeiten immer weiter vergrößern. Er wird den Menschen langfristig ersetzen. Ein weiterer Vorteil der Maschine: Sie leidet auch nach einer 12-Stunden Schicht nicht unter Konzentrationsschwächen und braucht keinen Schlaf.

Bankkaufmann

Wie oft waren Sie 2018 in Ihrer Bankfiliale – und wie oft vor 15 Jahren? Fällt Ihnen etwas auf? Die Finanzbranche ist so stark im Umbruch wie kaum eine andere. Große Teile der Bankenwirtschaft sind im Endkundengeschäft bereits durchdigitalisiert, andere werden folgen. Und auch die letzte Bastion – die persönliche Beratung – kann künftig besser vom Rechner gelöst werden. Sogenannte Robo-Advisor im Wertpapiergeschäft gibt es schon. Kein Wunder, dass Banken bereits heute immer weniger Bankkaufleute einstellen und dafür lieber auf branchenfremde IT-Fachleute setzen.

Programmierer

Es klingt paradox, aber Programmieren ist in vielen Bereichen buchstäblich Fleißarbeit. Denn „Coden“, wie Programmieren auch genannt wird, beinhaltet viel repetitive Arbeit und die kann von Maschinen in der Regel effizienter verrichtet werden als vom Menschen. Die ersten Entwicklungen auf diesem Gebiet sind bereits sichtbar. Machine Learning und Künstliche Intelligenz übernehmen diese Aufgaben in Programmiersprachen. Natürlich ist für die ganzheitliche Entwicklung von Programmen nach wie vor der Mensch nötig – das Berufsbild wird sich aber weg vom klassischen Programmierer hin zum Systemmodellierer, der sich auf das Durchdenken von Zusammenhängen und das Erstellen von Algorithmen konzentriert, transformieren.

Sollten Sie sich einem der aufgeführten Berufe zugehörig fühlen, müssen Sie jedoch nicht direkt in Panik verfallen. Die Arbeitswelt befindet sich zwar im Wandel, jedoch ist auch dieser eine Entwicklung, die sich abzeichnet und keinesfalls über Nacht passiert. Es ist übrigens ein weit verbreitetes Vorurteil, dass der digitale Wandel lediglich zu einem Aussterben von Berufsbildern führen würde. Die Digitalisierung bietet auch Chancen – sie sorgt nicht nur für weniger Jobs, sondern auch für andere.

Der Autor

Mark Zimmermann

Geschäftsführer

Mark Zimmermann studierte Informatik und BWL. Nach seinem Abschluss begann er 1997 als Consultant bei einer IT-Beratung. 2000 wechselte er ins Management und baute eine Business Unit für BI im Financial Services-Umfeld auf. Ende 2004 gründete er INFOMOTION mit dem Ziel, ein unabhängiges Beratungshaus für BI-Lösungen aufzubauen. Für die unternehmerische Leistung wurde ihm 2011 der Preis „Entrepreneur des Jahres“ verliehen.

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