Investitionen in Data Literacy zahlen sich für Unternehmen aus

29.06.21

Data Literacy Data-driven Company

Einen Formel-1-Boliden kaufen, obwohl man allenfalls einen Mittelklasse-Wagen steuern kann: So lässt sich die Situation beschreiben, wenn Mitarbeiter im Unternehmen mit neuen Technologien zur Datennutzung betraut werden, ohne das notwendige Know-how zu besitzen. Doch auf die Data Literacy kommt es an. In diesem Artikel zeige ich auf, warum Unternehmen in die Datenkompetenz ihrer Mitarbeiter investieren müssen und welchen Mehrwert das Data Literacy Process Framework von INFOMOTION bringt.

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Stellen wir uns einmal folgende Situation vor: Ein mittelständisches, produzierendes Unternehmen verfolgt zielstrebig seine Digitalstrategie. Dazu gehört, eine neue, bimodale Plattform mit einem Data Lake aufzubauen. Dort sollen u.a. Maschinendaten gesammelt werden, um Wartungszyklen und Ausfallzeiten effizient zu steuern. Nur, die Mitarbeiter sind zwar exzellente Techniker und Ingenieure – aber kaum einer verfügt über das Know-how für den Aufbau, den Betrieb und vor allem für die Nutzung der Plattform. Ihnen fehlt zumeist, was in der IT Data Literacy genannt wird, nämlich die Fähigkeit, auf der Basis von Daten kompetent zu handeln.      

Ein Einzelfall? Keineswegs. Wenn wir Kunden beraten, dann haben wir in den vergangenen Jahren häufig gesehen, dass Unternehmen viel Geld in moderne Technologien und in aktuelle Software-Lösungen investieren. Sie wollen sich zur Data-driven Company entwickeln, zu einem Unternehmen, das immer stärker datenbasiert entscheidet. Doch dann stellen sie häufig fest, dass sie in einem Dilemma stecken: Es fehlt an Mitarbeitern, die in der Lage sind, die neuen Technologien adäquat zu nutzen. Das ist, wenn man so will, als habe man einen Formel-1-Boliden gekauft, obwohl man allenfalls einen Mittelklasse-Wagen steuern kann.

Und die Kluft zwischen den erforderlichen Fähigkeiten und dem, was Mitarbeiter tatsächlich mit Unternehmensdaten unterschiedlichster Art anzufangen wissen, wächst. Im Zuge der digitalen Transformation steigt zwar die Zahl der Nutzer. Doch die kennen sich oftmals nur in Teilgebieten aus oder verfügen nur über eine eher schwächere Datenkompetenzen. Und: Technische Architekturen und Informationsstrukturen entwickeln sich stetig weiter, was das Dilemma zusätzlich verschärft. 

Entscheiden und Handeln auf der Basis von Daten

Aber was ist das überhaupt: Datenkompetenz, Data Literacy? Der Begriff beschreibt „die Fähigkeit, mit Daten kompetent umzugehen. Sie umfasst verschiedene Einzelkompetenzen, um Daten zu erfassen, anzupassen, zu verändern, zu interpretieren und zu präsentieren.“[1]

Data Literacy ist nichts Abstraktes. Im Gegenteil, sie kann ihr Potential erst entfalten, wenn Anwender ihr spezifisches Fachwissen mit einbringen.[2] Ganz gleich, ob solche Kompetenzen aus der Daten-Analyse, dem Daten-Management oder woher auch immer stammen – erst das richtige Zusammenspiel von Daten- und Fach-Kompetenz zahlt sich aus.

Damit ist klar: Entscheidungsträger, und zwar auf allen Hierarchiestufen, müssen Daten lesen, verstehen und interpretieren können. Nur so können sie datenbasiert entscheiden, innovative Entwicklungen aufgreifen und neue Trends umsetzen.

Die Realität aber sieht oft anders aus. Untersuchungen haben gezeigt[3], dass drei von vier Führungskräften aufgrund mangelnder Datenkompetenz nicht in der Lage sind, Entscheidungen zu treffen, die auf vorhandenen Unternehmensdaten basieren. Oft genug siegt dann das Bauchgefühl über die Datenlage.

Damit aber lassen Unternehmen Geld liegen. Denn Daten entscheiden immer häufiger über den Geschäftserfolg: Unternehmen mit einer hohen Datenkompetenz können ihren Wert um drei bis fünf Prozent steigern.[4] Und das ist vor allem eine Frage der Kompetenz des gesamten Unternehmens.

Diese Corporate Data Literacy wird definiert als die Fähigkeit einer Organisation, Daten zu lesen, zu analysieren, sie für Entscheidungen zu nutzen, mit ihnen zu argumentieren und sie in der gesamten Organisation zu kommunizieren.[5] Mike Capone von Qlik, ein Spezialist für Datenintegration und Business Intelligence-Werkzeuge, hat, um die Situation in Unternehmen besser zu erfassen, den Corporate Data Literacy Score geschaffen. Neben der kumulierten Datenkompetenz aller Mitarbeiter fließen in den Score Messwerte für Datendezentralisierung und Datenressourcen ein sowie eine Beurteilung, wie verbreitet das Nutzen von Daten in Entscheidungsprozessen generell ist.

Das Data Literacy Framework von INFOMOTION

Wie aber lässt sich der Reifegrad eines Unternehmens im Hinblick auf die Datenkompetenz analysieren? Und noch etwas wollen unsere Kunden wissen: Wie lässt sich die Datenkompetenz gezielt steigern? Genau dafür haben wir bei INFOMOTION das Data Literacy Framework entwickelt. Dieses Framework haben wir in zahlreichen Kundenprojekten rund um die Themen Business Intelligence, Big Data und Digital Solutions erarbeitet und erprobt.

Das Framework bietet eine strukturierte Herangehensweise mit dem Ziel, die Data Literacy im Rahmen einer erfolgreichen Data & Analytics Strategy zu verbessern. Im Kern besteht es aus vier Teilen: einem Rollen-Modell, einem Skill-Modell, einem Process Framework zur Einführung von Data Literacy und, ganz wichtig, aus Trainingsmodulen – immer frei nach dem Motto: Think big, start small.

INFOMOTION Data Literacy Framework

 

Der große Vorteil des Frameworks für diesen iterativen Prozess ist, dass es in diversen Branchen einsetzbar und individuell skalierbar ist. So können wir Rollen, die im Rahmen des Rollen- und Skill-Modells entwickelt werden, entsprechend erweitern oder reduzieren, ganz nach Bedarf. Auch die Zielvorgaben für das Process Framework können wir frei definieren und damit den Einsatz individuell steuern.

Wer das Data Literacy Framework von INFOMOTION einsetzt, sollte, wie generell bei Change-Prozessen, auf sauber definierte Verantwortlichkeiten und Klarheit über den Verwendungszweck des Frameworks achten. Wichtig für eine erfolgreiche Anwendung ist nach unserer Erfahrung zudem, dass im Projektteam Wissen und Kenntnisse aus den Fachabteilungen gebündelt wird. Und damit die Investitionen schließlich wirklich Mehrwert bringen, unterstützen wir unsere Kunden mit speziellen Trainings zum Thema Data Literacy an.

Nun ist Datenkompetenz sicherlich nur ein Baustein für eine erfolgreiche Data & Analytics Strategy eines Unternehmens. Aber ein wichtiger. Data Literacy muss gezielt aufgebaut und entwickelt werden – parallel dazu, wie Technologien und Informationsstrukturen sich verändern. Mit dem Data Literacy Framework von INFOMOTION ist es möglich, dieses kritische und oft unterschätzte Thema strukturiert anzugehen. Das zahlt sich aus. Hohe Datenkompetenz im Unternehmen ist ein wichtiger Hebel, um Daten tatsächlich gewinnbringend zu nutzen.

[1] Luber, Stefan; Litzel, Nico: Was ist Data Literacy? online im Internet: URL: https://www.bigdata-insider.de/was-ist-data-literacy-a-823501/

[2] Grillenberger, Andreas: Von Datenmanagement zu Data Literacy. Informationsdidaktische Aufarbeitung des Gegenstandsbereichs Daten für den allgemeinbildenden Schulunterricht. Berlin 2018. 

[3] Data Literacy Project: We are the Data Literacy Project - A global community dedicated to creating a data-literate world, online im Internet: URL: https://thedataliteracyproject.org/

[4] Morrow, Jordan: The fight for power in the Fourth Industrial Revolution, online im Internet: URL: https://thedataliteracyproject.org/files/download/downloads/The%20fight%20for%20power%20in%20the%20Fourth%20Industrial%20Revolution.pdf, S. 2

[5] Capone, Mike: The Data Literacy Index - The $500m Enterprise Value Opportunity (Results Summary), online im Internet: URL: https://thedataliteracyproject.org/files/documents/Qlik%20-%20The_Data_Literacy_Index_October_2018.pdf

Weiterführende Informationen

Autor

Dr. Sven Liepertz

Senior Strategy Consultant

Sven Liepertz ist promovierter Physikdidaktiker und seit 2018 bei INFOMOTION als Strategy Consultant tätig. Er unterstützt Kunden bei der Weiterentwicklung ihrer Data und Analytics-Strategie zur Steigerung der Data Performance ihres Unternehmens.

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